Der Mythos? BMW GS oder: Die Wahl des richtigen Bikes

Wohin man auch schaut, sei es durch das Internet, sei es durch verschiedenste Reiseberichte, spätestens aber durch die Fernsehserien zur Dokumentation der Trips von Ewan und Charly (The Long Way Round, falls es jemand nicht kennt, absolut empfehlenswert!) hat sich das Bild der BMW GS als das Fernreise und Adventure Bike gefestigt. Jeder der sich auch nur annähernd mit dem Thema Motorrad Fernreise beschäftigt bekommt auf den ersten Blick suggeriert, dieses Motorrad und kein anderes! Doch was ist dran am Mythos GS?

Ich bin zugegeben selbst dem Charme der GS erlegen und war zwei Jahre lang stolzer Besitzer einer 2010er 1200 GS Adventure und begeisterter GS Fahrer. Versteht mich nicht falsch, die GS ist ein überragendes Motorrad und ich habe sie geliebt und will sie auch nicht schlecht reden! Doch was hat mich dazu bewegt vor knapp einem Jahr eine fast neue GS gegen eine 10 Jahre ältere Honda Africa Twin mit 4 mal so hohem Tachostand und halb so großem Motor zu tauschen?

Bye Bye New Beauty, Welcome Old Beauty!
Bye Bye New Beauty, Welcome Old Beauty! Eine schwere Entscheidung

Im Rahmen der Vorbereitungen zum geplanten Trip nach Ozeanien waren es primär die folgende Gedanken…

Ersatzteilversorgung und Reparaturmöglichkeiten

Dies ist sicherlich eine Frage bei der sich die Geister scheiden, die Meinungen gehen hier sehr weit auseinander aber für mich war es mit der größte und ausschlaggebende Faktor: Was passiert wenn die Maschine auf dem Weg streikt?
Zum einen kommt man bei den aktuellen Motorrädern ohne (genau passendes!) Diagnosegerät meist nicht mehr allzu weit und dies in einer Werkstatt irgendwo in Thailand oder dem Iran zu finden halte ich für sehr unrealistisch. Zum andern fragte ich mich auch, wie gut man wohl in den abgelegeneren Regionen dieser Welt zu humanen Konditionen an BMW Ersatzteile kommt. Außerdem bietet eine ältere Technik jemandem wie mir mit technischem Verständnis aber keinen tiefgreifenden KFZ/Krad Kentnissen (und das dürfte auch auf so manchen zwielichtigen Mechaniker auf dem Weg zutreffen) deutlich mehr Möglichkeiten im Fehlerfall doch noch selbst Hand anzulegen. Nicht zuletzt bieten einige Kernkomponenten wie Kette vs. Kardan, Schlauch- vs. Schlauchlos-Reifen und Vergaser vs. Einspritzer mehr Improvisationsmöglichkeiten.
Hier gibt es aber genau so viele Gegenstimmen welche die höhere Zuverlässigkeit moderner Motoren, ausgereiftere Technik und die niedrigeren Kilometerstände jüngerer Motorräder den obigen Argumenten gegenüberstellen. Wobei ich zum Thema Zuverlässigkeit nach drei Motorrädern (2x alte Honda, 1x neue BMW) meine eigene Meinung habe, stehen geblieben ist bis jetzt nur einmal…die GS! :-) Ob es langfristig die richtige Entscheidung war wird sich zeigen.

Risiko Diebstahl und Finanz-Spritze

Eine BMW und noch dazu eine fast brandneue zieht einfach Blicke auf sich. Ich will hier nicht den Teufel an die Wand malen, dazu bin ich im Grundsatz sowieso viel zu sehr Optimist aber ein bisschen gesunder Respekt darf’s dann schon sein. Speziell in den ärmeren Regionen dieser Welt dürften diese Blicke nicht immer freundlich sein. Sind wir mal ehrlich die BMW sieht auf den ersten Blick sofort nach einer lohnenden Beute aus und nicht zuletzt deutet sie außerdem vielleicht auch auf einen Fahrer mit einem dickeren Geldbeutel hin und steigert so die Attraktivität.
Darüber hinaus hat der Tausch natürlich auch die Reisekasse noch etwas weiter gefüllt, das war aber nie ein ausschlaggebendes Argument für mich. Die Finanzspritze hielt sich zugegeben außerdem in Grenzen da ich bei der GS durch Finanzierung, Verkauf an Händler weil privat kaum an Mann zu bringen, den doch höheren Anfangswertverlust der BMW und den verhältnismäßig hohen Preisen für Africa Twins doch einen relativ hohen Verlust bei der BMW verbuchen musste – Aus Fehlern, in diesem Fall einem vorschnellen und unüberlegten Kauf der GS, lernt man ja bekanntlich.

Die GS in Person

Jetzt mach ich mich bei den GS Fahrern sicher besonders beliebt. Wer mich kennt, ich mach mir keinen allzu großen Kopf darüber was andere über mich denken. Ein entscheidender Faktor der mit Punkt #2 Hand in Hand geht war für mich trotzdem das Bild – um es mal direkt zu formulieren – des reichen Deutschen der auf seiner dicken BMW dekadent durch teilweise dritte Welt ähnliche Regionen kurvt und sich für was besseres hält. Nicht dass ich das tun würde oder das ich das anderen GS Fahrern unterstellen würde aber ich denke das ist durchaus ein Vorurteil welches entstehen könnte und ich einfach vermeiden wollte.

Was spricht für die GS?

Genug contra geliefert, wie anfangs erwähnt, ich habe es geliebt die GS zu fahren und möchte sie hier nicht schlecht reden. Abgesehen von der Zuverlässigkeit die trotz meiner schlechten Erfahrungen sicher vorhanden ist, vom definitiv bessereren Fahrgefühl welches unerreicht sein dürfte, dem höheren Fahrkomfort an den man bei der Twin nur mit nachrüsten (Sitzbank, Griffheizung, ggf. Dämpfer, ob ich diesen tauschen werde steht noch zur Debatte, etc.) annähernd heran kommen wird habe ich nach meinen ersten Inspektionen an der Honda den Wartungskomfort des Boxers schätzen gelernt! Man muss einfach nicht für jeden noch so kleinen Eingriff den Tank und die Verkleidung abbauen! Ebenso der „regelmäßige“ Kettenwechsel kann bei einer guten Endloskette mitunter zu einer echten Qual werden. Da graust es mir jetzt schon vor den ersten Wartungsarbeiten unterwegs.

Allgemeines

Grundsätzlich kann ich zum Thema Auswahl des Bikes noch folgenden Link empfehlen welcher alles kritische abdeckt:
http://www.horizonsunlimited.com/gear-up/choosing-outfitting
Fazit, lange Rede kurzer Sinn: Egal welches Bike, tu es einfach! :-)

So viel von meiner Seite zu dem Thema, auf bald und allzeit gute Fahrt!

One thought on “Der Mythos? BMW GS oder: Die Wahl des richtigen Bikes

  • 24. Mai 2014 at 20:44
    Permalink

    Hi, genau diese Fragen hatte ich mir vor unserer Tour 2013 auch gestellt. Genau genommen schon früher, als ich mir 2011 meine GS gekauft habe. Ich habe mich ganz bewusst für eine 1997er 1100 GS entschieden, da die noch nicht soviel elektronischen Schnickschnack hat, den man auf einer grossen Tour nicht unbedingt braucht. Auf der anderen Seite weiss ich ABS, Kardan, eine bequeme Sitzbank und Einspritzung durchaus zu schätzen (hat sie alles…) Leider bringt sie unbeladen mehr als 250 Kilo auf die Waage. Unsere Tour führte über die Türkei bis in den Osten vom Iran und dann kreuz und quer durch den Kaukasus, Russland und Ukraine wieder zurück. Wie man sich leicht vorstellen kann, ging es dabei nicht immer über perfekt asphaltierte Strassen. Bis auf ein paar Kratzer und 2 ausgetauschte Halogenbirnchen in den Zusatzscheinwerfern keinerlei Probleme auf 22.000 km. Details zu unserer Tour und natürlich viele Fotos gibt es im Blog unter http://www.asiabike.de
    Viele Grüße, Bernie

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